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Heimatglocken - Markvippach 1914-09

veröffentlicht um 09.09.2013, 05:03 von Udo Key

Quelle: Manfred Schiller, Schloßvippach 

Ps.41, 6-14. „Sie haben ein Bubenstück über mich beschlossen: wenn er liegt soll er nicht wieder aufstehen“. Und darum hat das große Völkerringen begonnen, darum musste unser liebes, deutsches Volk die Werke des Friedens liegen lassen, in denen es so Großes durch 4 Jahrzehnte geleistet, und musste zu den Waffen eilen. Darum ist auch in unsre sonst so friedliche Dorfheimat soviel Unruhe, Sorge und Kummer gekommen. Denn gar viele unsrer Lieben sind hinausgezogen in den Kampf fürs Vaterland oder harren der Stunde, wo sie der Zug nach Osten oder Westen trägt. Außer den aktiven Soldaten: Karl Zaubitzer, Otto Stiebritz, Walter Hirschfeld, Fritz Härter, Alfred Focke, Paul Angermann sind es: Ltn. Werneburg, Untffz. Max Engel, Vizewachtm. Paul Rössner, Wilhelm Dornis, Max Mörseburg, August Laufer, Alfred Dittmar, Artur Oehlwein (Reservisten), Leopold Giebner, Berthold Werner, Richard Walter, Alfred Salomon, Emil Baumann, Hermann Gundermann, Friedrich Chmara, Joseph Sarnowski (Landwehr), Kriegsfreiwillige Heinz Refardt, Rudolf Reuße und Paul Walter (Landsturm). Manche Familie hat auch noch Sohn und Schwiegersohn, die auswärts wohnen, im Felde, und mancher wird wohl noch als Landsturmmann zur Fahne gerufen werden. Gott stähle Euch, ihr lieben Krieger, den Mut, er stärke Euch den Arm, er sei mit Euch im Getümmel der Schlachten und auf der Wacht im fernen Land in finstrer Mitternacht! „Du aber Herr sei mir gnädig, und hilf mir auf!“ Sehet ihr, die ihr daheim geblieben, wohin ihr jetzt gehört: vor Gott! Wie wir uns an sein Herz warfen, als unsre Lieben von uns gehen mussten, und wie im festen Gottvertrauen und heißem Gebet ihm befahlen, so mags auch fürderhin geschehen, wenn die Sorge drückt und der Kummer quält, darum halten wir unsre Kriegsbetstunden. Und nicht wahr, wenn die Stille des Abends gekommen ist und im Gotteshaus die Lichter freundlich blinken, da wird in dieser Zeit das Kirchlein bald zu klein für uns, da hört es sich so feierlich an das Wort von der Not der Zeit, keim Lärm des Werktags nimmt es uns wieder weg, es geht mit uns heim und klingt aus im Kämmerlein im Gebet für die Lieben in der Ferne. Dann werden auch die Opfer leicht, die große Zeit heischt. Wie viel und wie gern ist gegeben worden für die Linderung der Nöte des Krieges. Bis jetzt 630 Mk.! Eine Haussammlung brachte 410 Mk., 2 Beckenkollekten 70 Mk., und die Frauen und Mädchen haben schon 150 Mk. zur Beschaffung von Wolle und warmer Unterbekleidung gespendet. 30 Pfund Wolle sind gekauft, und viele fleißige Hände sind dabei, sie zu Strümpfen und Handmüffchen zu verarbeiten. Liebesgaben sollen gesammelt, genesende Verwundete aufgenommen werden. Nun, Herr, segne Du Geber und Gaben! „Gelobet sei der Herr, der Gott Israels, von nun an bis in Ewigkeit!“ So durfte die Kriegspredigt am letzten Sonntag des unvergesslichen Monats August 1914 Schließen. Ist doch Massensiegesbotschaft der Morgengruß fürs deutsche Volk geworden und leitet des Abends wieder zur Ruhe. Sedan wars wieder, im Westen, aber auch im Osten. Amboß sollten wir sein, Hammer sind wir geworden für unsre Feinde. Sieg ist unser Teil auch über all die andern Feinde, die am Marke unsres Volkes zehrten. Sieg auch auf dem Felde der Arbeit, denn die Ernte ist glücklich geborgen. Herr Gott, führe unser Heer und Volk also weiter durch Sieg zum Frieden, zur Größe, zum Glück! Sei mit uns allen, die uns lieb sind!  

Reuße. 

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