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Heimatglocken - Markvippach 1914-12

veröffentlicht um 20.12.2012, 05:57 von Udo Key

 Quelle: Archiv Heimatglocken Manfred Schiller Schloßvippach

Es ist eine Zeit des Harrens und Bangens, in der ich Euch, liebe Leser der Heimatglocken, diesen Bericht schreibe. Von den Lieben draußen im Felde, zu denen unsre Gedanken täglich, ja stündlich eilen, wissen wir viele als Angehörige der Thüringer Regimenter des 11. Korps seit Wochen in hartem Kampfe gegen die russischen Heeresfluten. Nun sind die Nachrichten von den herrlichen Siegen im Osten schon seit geraumer Zeit herein zu uns gekommen und die Fahnen haben nach langer Pause wieder im Winde flattern dürfen. Aber wie es ihnen geht, die dabei waren beim Siegen, und dass sie noch heil und gesund sind, das haben wir noch nicht erfahren können. Nur das wissen wir, dass die 94er, Weimars Stammregiment, schwere Verluste erlitten haben. Und im fernen Westen, wo unsre Landwehrleute im Schützengraben liegen, da geht es nicht weniger hart auf hart. Gebe Gott, dass bald gute Botschaft komme von hier und dort. Tiefbewegt hat uns die Nachricht vom Tode unseres früheren Lehrers Richard Rönick, von 1894-1902 hier, der, zum Luftsturmbattaillon Eisenach gehörig, auf der Fahrt nach Königsberg aus dem in der Nähe der russischen Grenze plötzlich zum Halten gezwungenen Zuge heraus aufs Gefechtsfeld musste und den Tod fand. Ich habe nur in Liebe und Verehrung von ihm und seinem Wirken, auch dem auf außerschulischen Gebieten, im Kriegerverein und Gesangverein, in der Gemeinde sprechen hören und darf wohl sagen, dass dankbare Erinnerung den Geschiedenen begleitet übers Grab hinaus. – Aber auch eine freudige Botschaft dürfen wir hören, dass ein Sohn unsres Ortes, der Bürgerschullehrer Ernst Schönefeld in Jena, für besondere Tapferkeit vorm Feinde das Eiserne Kreuz erhalten hat. Wer tuts ihm nach?  Nun naht das liebe Weihnachtsfest heran, und eher als sonst und mehr, als auf dem Lande zu geschehen pflegt, werden die Vorbereitungen darauf getroffen. Auch daran ist die Kriegszeit schuld. Gilt es doch unseren Tapferen im Felde ein Weihnachten zu bereiten, wenn auch kein fröhliches – das könnte wohl nur der Glocken Friedensgeläut tuen - , so doch eins, an dem sie wissen, wie treu man ihrer daheim gedenkt. In der 2. Frauenvereinsversammlung des Monats November haben wir die Weihnachtspakete für die Soldaten gepackt, die sie von der Gemeinde mit einer Beigabe der Schulkinder erhalten, und wir wünschen nur, dass ein jeder auch sein Paket und das von den Eltern oder seiner Frau dazu erhält und am Weihnachtsabend in Gedanken nach der Heimat wandert, wo unterm Christbaum die Rede von ihm gehen und manche Sehnsuchtsträne fließen wird um die Lieben in der Ferne. Auch die Burschen und die Mädchen und der Kriegerverein wollten noch für der Krieger Weihnachten spenden; wir haben`s  aufgehoben, um später neue Sendung tuen zu können. Über große Geschehnisse ist aus der Gemeinde und Familien nichts zu berichten. Eine Woche winterlicher Tage haben wir schon gehabt, die aber seit Ende des Monats wieder durch milde Witterung abgelöst sind. Am 23. Novbr. fand die große Jagd statt, bei der 376 Hasen und 41 Hühner und Fasanen zur Strecke gebracht wurden. Die neu eingerichtete Jugendwehr, der die Burschen vom 16.-20. Jahre, aber auch einige Jüngere angehören, zählt im Orte 20 Mann und steht mit unter meiner Leitung. – Bestellungen auf die „Heimatglocken“ bitte ich im Laufe des Dezembers bewirken zu wollen. – Mit den herzlichsten Wünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest im Felde und in der Heimat                                                                                

Reuße.

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