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Heimatglocken - Markvippach 1915-01

veröffentlicht um 29.01.2014, 01:40 von Udo Key   [ aktualisiert: 29.01.2014, 01:41 ]

Quelle: Archiv von Manfred Schiller, Schloßvippach

Ein neues Jahr hat angefangen; mag es ein Jahr der Gnade sein für unser Volk und unsre Gemeinde! Möchte es uns den ehrenvollen Frieden bescheren, den wir alle ersehnen, und uns unsre Lieben aus dem Felde wieder in die Heimat bringen. Dieser Wunsch des deutschen Volkes soll auch der Heimatglockenwunsch zum Neujahr 1915 sein! – Noch vor Jahresschluß, am 21. Dez. kam die Trauerkunde ins Dorf, dass der Wehrmann Oskar Maak am 11. Dez. in Nordfrankreich den Tod fürs Vaterland gestorben sei. Er war, bevor er in den Krieg zog, Arbeiter an unsrer Kleinbahn und seine Frau besorgte die Geschäfte auf dem Bahnhof Markvippach. Mit der Mutter trauern 5 unmündige Söhnchen um den Vater, der wegen seines freundlichen Wesens allgemein gut gelitten war. Am 22. Dez. abends hat die zahlreich versammelte Gemeinde in einer Trauerandacht, zu der der Kriegerverein mit Fahne erschienen war, den gefallenen Krieger geehrt. Eine Gedenktafel in der Kirche wird später auch seinen Namen den kommenden Geschlechtern künden. – Über Unteroffizier Wilhelm Dornis, vom Großherzog, seinem Landesherrn, durch Verleihung des Militärverdienstabzeichens ausgezeichnet, und Alfred Dittmar, beide 3/94 ist seit dem unglücklichen Gefechte des Regimentes am 18/19 Dezember keine Nachricht eingelaufen, und bange Sorgen herrscht daheim um ihr Geschick. Als Bestes hoffen wir, dass sie als Gefangene in Feindes Hand sich befinden. Möchte das neue Jahr bald gute Nachrichten bringen. – Sonst wissen die meisten Karten und Briefe aus dem Felde nur Gutes vom Ergehen unsrer Krieger, ihrem guten Mut und ungeschwächter Begeisterung für die heilige Sache des Vaterlandes zu berichten. Zahlmeister Jünger hat auf dem westl. Kriegsschauplatz das Eiserne Kreuz erworben. Paul Walter erzählt anschaulich von der Weihnachtsfeier des Landsturmbattaillons Weimar im Großen Hauptquartier, Hermann Eberling, wie die 11. Res.-San.-Kompagnie, und mein Sohn, wie sie auf Bahnwache bei Kutno in Polen Weihnachten gefeiert haben. Die Weihnachtspakete sind gut angekommen, und beim Anblick all der Liebesgaben aus der Gemeinde und Familie daheim sind die Gedanken zu uns geeilt in Sehnsucht und dankbarer Liebe. So war es auch bei uns und bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier, die wir am Abend des 1. Feiertages im Hermannschen Gasthofe veranstalteten. Inmitten des Saales stand der Christbaum und auf langer Tafel lagen die Geschenke für die 31 Kinder unsrer im Felde stehenden Wehrleute. Dem Gesang des „Stille Nacht“ folgten zwei Deklamationen der Kinder, eine Ansprache meinerseits an die Wehrmannsfrauen, als diejenigen, auf denen des Krieges Sorge am meisten lastet, und dann kam die Bescherung. Jede der 13 Frauen erhielt als Geschenk 12 Mk., jedes Kind 1-2 Geschenke und einen großen Teller voll Süßigkeiten, Backwerk, Äpfel und Nüsse. Der Gesang von „O du fröhliche“ beschloß die Feier. An sie schloß sich ein Kriegsfamilienabend an, der 4., den wir hielten, mit Vortrag über den Gang der Dinge auf den drei Kriegsschauplätzen im Osten, Westen und auf der See, Verlesen von Kriegsbriefen und Darlegungen über: Goldabliefern, sparet mit den Lebensmitteln und Jugendwehr. Die Weihnachtsgabe des Kriegervereins besteht darin, dass er die verheirateten Kriegsteilnehmer des Ortes mit je einem Anteil in die Kriegsversicherung eingekauft hat. Eine Sammlung für die Jugendwehr zur Beschaffung von Trommeln und Pfeifen und gelegentlichen Veranstalten von Abkochen ergab 82 Mk., eine Kriegssammlung am 2. Feiertage 330 Mk., sodaß bis jetzt für Kriegszwecke im Orte über 1700 Mk. in Geld eingenommen sind. Der Neujahrsbericht folgt wegen Mangel an Raum erst in der nächsten Nummer.                               

Mit herzlichen Grüßen    

Euer Pfarrer Reuße

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