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Heimatglocken - Markvippach 1917-06

veröffentlicht um 18.06.2014, 05:53 von Udo Key
Quelle: Manfred Schiller, Schloßvippach
Am 28. Mai wurde getauft Erich Kolzacki, das am 23. März d. J. geborene Söhnchen des Oberschweizers Franz K. in Bachstedt und seiner Ehefrau Elsa Frieda geb. Lohse. -  Willy Wächter ist im Felde vom Rheumatismus, seinem alten Leiden, wieder schwer heimgesucht worden, sodaß er schon seit längerer Zeit dienstunfähig ist und aus dem Lazerett in Köln=Kalk noch nicht auf Urlaub kommen konnte. Leander Wächter ist nach vielen Krankheitsmonaten wieder nach Hause zurückgekehrt und bis zur Entlassung beurlaubt. Paul Kästner, der durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde, ist an Achseldrüseneiterung, die wohl auf seine frühere Verwundung zurückzuführen ist, erkrankt und liegt wieder im Lazarett. Auf Urlaub weilten daheim Fritz Härter, der zum Eisernen Kreuz noch die Broncene Verdienstmedaille m. Schw. Vom Großherzog verliehen bekommen hat, Berthold Werner, Emil Zeuner und Max Kreuzberg, Heinrich Salomon ist auf die Unteroffiziersschule in Northeim gekommen als auf die letzte Stufe vorm Eintritt ins aktive Heer. Ins Feld gerückt sind Artur Walter aus Bachstedt und Joseph Sarnowski von ebendort, dieser zum 3. Male. Martin Reuße wurde mit einer Anzahl Kameraden bei einem Sturmangriff in der Arrasschlacht verschüttet, kam jedoch mit leichten Quetschungen noch glücklich davon, während die Mehrzahl seiner Kameraden den Tod oder schwere Wunden erlitt. Wenige Tage später wurde aber sein Kompagniekamerad und Altersgenosse Otto Büchner, Sohn des hies. Dachdeckers Karl Büchner und sr. Ehefrau geb. Wäldchen schwer verwundet und ist nach einer Mitteilung des Kompagnieführers auf dem Transport zur Sanitätskompagnie verschieden. Das 13. Opfer, das der Weltkrieg von der Gemeinde gefordert hat. An dem Tode des wackeren Kämpfers und dem schweren Geschicke der betroffenen Familie nahmen wir herzlichen Anteil. Auch an dem der Familie Amandus Salomon. Die beiden Söhne sind schon geblieben, jetzt ist auch der Schwiegersohn, der Landwirt Hemme in Großbrembach, einer schweren Verwundung erlegen. – Durch Haus= und Beckenkollekten gingen ein: für den Gustav Adolf=Verein 44,90 M., für die Baseler Mission 2,75 M., für Kriegsfürsorge 20 M., für kirchliche Armenpflege 4 M. und für den Kirchbaufonds 5,60 M. – An den Pfingsttagen herrschte reges Leben im Orte. Allenthalben war Besuch aus der Stadt in den Häusern erschienen, erfüllt von der Hoffnung, sich mit Hilfe der ländlichen Verwandten die Aufstellung des Küchenzettels für die nächste Zeit etwas erleichtern zu können. Aber so leicht fällt es auch auf dem Lande nicht mehr, zu helfen, und manch eines hat gewiß nicht tun können, wie es gerne mochte. Da muß erst wieder etwas wachsen und geerntet werden. Gute Aussicht dazu hat der Mai uns gegeben. Er hat schnell nachgeholt, was die Monate vorher mit ihrer kalten, nassen Witterung versäumt hatten. Es fehlte nicht an schönen, warmen Tagen, wie wir sie im ganzen Sommer 1916 nicht gehabt haben. Und auch die nötigen Niederschläge blieben nicht aus, die mit schweren Gewittern zum Teil verbunden am 10., 16., 29. und 31. Mai eine Regenmenge von gegen 100 mm für die Flur ergaben. So haben sich denn fast alle Gewächse üppig entwickelt, und eine gute Futterernte ist schon gewiß. Auch die Beeren und die Kirschen versprechen reiche Erträge. Die Birnen haben sehr gut angesetzt, die Aepfel mittelmäßig, von den Pflaumen ist nicht viel zu erwarten, da die Blüte sehr schwach war und der strenge Winter Tausenden von Zwetschenbäumen den Tod gebracht hat.        
Mit herzlichen Grüßen
Reuße.

 

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