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Heimatglocken - Markvippach 1917-07

veröffentlicht um 28.08.2013, 23:15 von Udo Key

Quelle: Manfred Schiller, Schloßvippach. 

Mit Donner und Blitz und strömendem Regen, liebe Heimatglockenfreunde, ist bei uns der Juni zu Ende gegangen. Er war ein warmer, echter Sommermonat, an dem Tag für Tag die Sonne ihre heißen Strahlen auf unsere Fluren scheinen ließ, so daß es einem manchmal zu viel der Sonne und der Wärme war, daß man nach bedecktem Himmel ausschaute und nach einem kühlen Tag und erquickenden Regen sich sehnte. Und nun an den beiden letzten Junitagen bez. Nächten ist der Regen noch gekommen, für Vieles noch zur rechten Zeit, so daß das Getreide gut auskernen wird und bald uns mit ihren Erstlingen in reicher Fülle versorgen werden. Die Ernte in Klee und Heu war recht ergiebig, und sie war auch nicht schwer, denn unter der Arbeit der Hände und Rechen ward bei der herrschenden Wärme das Futter bald dürr, brauchte nicht erst auf Böcke zu kommen, sondern konnte schon nach wenigen Tagen in bester Verfassung eingefahren werden. Wundervoll reich war die Blüte der Kastanien und Akazien, und seit vierzehn Tagen erfüllt eine prangende Lindenblüte die Luft mit ihrem köstlichen Dufte. Allabendlich nach getaner Arbeit sieht man fleißige Hände die Blüten pflücken, die ja einen guten Tee geben und nicht nur bei Krankheitsfällen als schweißtreibendes Mittel, sondern auch als Ersatz für den selten gewordenen chinesischen Tee dienen sollen. Ganz besonders aber haben sich die Imker des vielen Blühens gefreut, konnten doch bei dem guten Wetter dieses Jahres ihre fleißigen Lieblinge den Nektar der Blüten heimholen, was im kalten Juni 1916 nicht möglich gewesen war. Auch an der Straße nach Vippachedelhausen wird schon geerntet: die Kirschen, die für 950 M. von der Gemeinde verkauft worden sind und wegen ihrer Güte trotz hohen Preises reißend schnell Absatz finden. Der Verkauf der Grasnutzungen an den Straßen und auf dem Friedhof brachte dem Gemeindesäckel ca. 140 Mk. Manch einen in der Ferne wird es interessieren, zu hören, daß die alte Linde am Eingang zum Kirchhof am 2. Pfingstfeiertag zusammengestürzt ist. Durch und durch morsch und hohl bildete sie mit ihrem stark überhängenden Stamme schon lange eine gewisse Gefahr für die umliegenden Häuser, ihre Beseitigung aber war nicht leicht. Nun ist die Gefahr ganz vorüber, aber schade ist's doch auch um einen solchen Veteran. -  Eine Sammlung für die U-Boot-Spende des deutschen Volkes brachte im Orte 251,65 M., darunter zwei Gaben von 100 und von 50 M.   – Am Abend des 14. Juni fand eine Trauerfeier für Otto Büchner statt, an der fast die ganze Gemeinde teilnahm. – Neu eingezogen zum Heere wurde Karl Urbach. Auf Urlaub weilten daheim Leutnant Engel, Emil Baumann, Willy Wächter, Karl Wäldchen, Artur Focke. Fritz Hoppe teilt mit, daß er am linken Bein durch Infanteriegeschoß leicht verwundet worden ist. Hermann Oehlwein, Martin Reuße, Otto Hirschfeld, Paul Hirschfeld, Karl Wäldchen sind Gefreite geworden, Arno Patenge erhielt das Eiserne Kreuz.    

Mit herzlichen Grüßen nach dem Feld und in die Heimat           

Reuße.

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