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Heimatglocken - Markvippach 1917-11

veröffentlicht um 30.09.2012, 23:43 von Udo Key

Am 1. Sonntag des Oktobers feierten wir unser Erntedankfest, und jetzt am Ende können wir einen Rückblick auf die ganze Ernte tuen, nachdem auch die Hackfrüchte zum größten Teil geborgen sind. Blieb bei Körnern und Stroh manches zu wünschen übrig, war auch die Raufutterernte infolge Ausfalls des 2. Schnittes Klee nur mittelmäßig, Kartoffeln und Runkeln haben doch meist recht gute Erträge gegeben, so daß der schlimme Kartoffelmangel des vergangenen Winters dies Jahr sich nicht wiederholen wird. Und unsre Kleinbahn hat vollauf zu tuen, wenn sie mit ihrem beschränkten Wagenpark alles das befördern will, was zur Verfrachtung nach der Stadt angefahren wird. Der Landmann aber freut sich, daß er bei den hohen Preisen für Kartoffeln und Runkeln den Ausfall seiner Einnahme bei den Körnern wett machen kann..

Der bedeutsamste Tag des Monates war sein letzter Tag, der 31. Oktober, der Tag der Jubelfeier der Reformation. Trotzdem das Fest auf einen Wochentag fiel, war der Festgottesdienst recht gut besucht. Der 4. November wird uns dann noch einen Festgottesdienst, eine Unterredung mit der Schul- und erwachsenen Jugend über Luthers Leben und Werk und einen Familienabend bringen. Im Becken lagen am 31. Okt. 71,50 M. Die Hauskollekte zum Besten der Aufgaben unsrer Landeskirche brachte 607,40 M., darunter 1 Gabe von 200 M., 21 von je 100 M., 3 je 20 M., 1 a 15 M., 5 je 10 und 6 je 5M. Von dem Ertrag der Kollekte wurden 75 M. für die Schwesternspende des Rotes Kreuzes  verwilligt. Amtsrat Refardt stiftete aus Anlaß der Jubelfeier der Kirche zur Mehrung ihres Vermögens 1000 M. und weitere 1000 M. zu einer späteren würdigen Ehrung der Krieger des Ortes seitens der Kirche. Die Beckenkollekte am Erntedankfeste betrug 54,25 M., wovon 35 M. der örtlichen Kriegsfürsorge, 10 M. dem Kirchbaufonds, 9,25 M. dem Carolinenheim zuflossen.

Am 2. Oktober kamen die schon seit längerer Zeit über das hiesige Rittergut schwebenden Verhandlungen zum Abschluß. Herr Oberleutnant Adolf Werneburg, der seit Kriegsbeginn im Felde steht, schied an diesem Tage als Pächter aus, und Herr Otto aus Erfurt hat die Pachtung von da ab angetreten. Dem scheidenden Gutsherrn mit seiner Familie einen herzlichen Abschiedsgruß mit dem Wunsche für eine glückliche Zukunft, der neuen Gutsherrschaft guten Anfang und ein Herzlich Willkommen!

Am 14. Oktober wurden in hiesiger Kirche getraut Paul Richard Angermann, der, von seinen Wunden genesen, aber nicht mehr kriegstauglich, jetzt als Gewehrfabrikarbeiter sich in Erfurt befindet, und Melanie Hulda geb. Hoffmann aus Erfurt. Gott mit ihnen auf ihrem gemeinsamen Lebenswege! Schweres Geschick ist über die Familie des Hofmeisters Gust. Walther in Bachstedt hereingebrochen. Nachdem ihnen der Weltkrieg schon 1915 ihren Sohn Max entrissen hatte, ist jetzt auch ihr Sohn Artur am 4. Oktober in Flandern gefallen, der Jüngsten einer, die erst vor wenigen Monaten ins Feld gekommen waren. Auch ihn wird die Gemeinde in einem Gedächtnisgottesdienste ehren. Den hart geprüften Eltern aber möge Gott ein gnädiger Tröster sein in ihrem Leid!

Von unsern Soldaten waren auf Urlaub Rich. Walter, Paul Kreuzberg, Berthold Werner, Fritz Kraps, Artur Oehlwein, Oberleutnant Werneburg. Artur Oehlwein hat, an Malaria erkrankt, das Lazarett aufsuchen müssen. Armin Herrmann liegt noch an Ischias erkrankt im Lazarett in Weimar. August Hollstein ist seit 2 Monaten schon eingezogen. Hermann Udhardt wird seit Mitte Oktober vermisst. Willy Wächter ist an Scharlach schwer erkrankt. Arno Patenge ist zum Gefreiten befördert. Dem Unterzeichneten wurde von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog für Verdienste um die Jugendwehr das Ehrenkreuz verliehen.            Reuße.

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