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Heimatglocken - Markvippach 1918-02

veröffentlicht um 11.06.2012, 23:20 von Udo Key

Kirchliche Nachrichten aus dem Jahre 1917. Getauft wurden 2 Kinder, 2 Knaben, konfirmiert 3 Kinder, Z Knaben, 3 Mädchen. 5 Trauungen fanden statt, darunter 2 Kriegs- trauungen. Gestorben und kirchlich beerdigt sind 7 Personen von 60——83 Jahren, 5 männl., 2 weibl. Geschlechts. Den Heldentod starben Otto Büchner und Artur Walther. Zum h. Abendmahl gingen 186 Personen, 62 männl·., 124 weibl. Geschlechts. Der Klingelbeutel brachte 125,78 M» die-Haus» und Beckenkollekten 1029,32 M» die außerkirchlichen Sammlungen für Kriegswohlfahrtszwecke 754,35« M. Außerdem wurden 175 M. für kirchliche Liebestätigeit und 2000 M. der Kirche gestiftet. Der Frauenverein hat 42, der Jung-Frauenverein 30 Mitglieder. Das Sonntagsblatt hat 14 Leser, die Heimatglocken 73 im Orte, 45.auswärts, 50 im Felde. Der verflossene Monat brachte in seiner ersten Hälfte winterliches Wetter mit Schnee und Glatteis, in seiner zweiten Hälfte an manchem Tage frühjahrsmäßige Witterung mit prächtigem Sonnenschein. Er war wie sonst der stille Monat für den Landmann, in dem es draußen wenig- zu tun gab. Nur an den Ufern der Vippach zwischen Brückweg und Mühle wurde fleißig beim Fällen und Zerkleinern der zum Schlagen verkauften Pappeln und Eschen gearbeitet, so daß die Ufer dort licht geworden sind, aber manches Haus nun auch  schon wieder feinen Holzvorrat fürs neue Jahr daheim hat. In den Scheunen wurde noch gedroschen, um bis zum Februar den Ausdrusch zu beenden, und die in Stadt und Land so hochgeschätzten Borstentiere sind in Schinken, Speck und Wurst verwandelt in die Vorratskammern gewandert. Am 15., 17. und  24. Januar wurde von der Pfarrfrau ein Tuchschuh-Nähkurses gehalten, an dem sieh 37 Frauen und Mädchen des Ortes beteiligten. War es schon eine Freude, zu sehen, wie unter geschickten Händen aus allerlei Tuch- und Zeugresten unter Verwendung von Puppe, Linoleum und Kunstleder die schönsten Hausschuhe entstanden, so wird es gewiß noch eine größere Freude für Alt und Jung sein, in selbstgefertigten warmen Schuhen nun daheim sitzen zu können, die man jetzt schwer und nur-zu hohen Preisen oder gar nicht mehr erhalten kann. Wir mögen daraus lernen, daß die sonst so gering geachteten Nester und Abfälle in dieser Zeit unsrer Absperrung von Rohstoffbezügen und -gebieten doch bei passender Verwertung eine große Bedeutung haben. Und wir sollten alles tun, der Aufforderung, die kleinsten Mengen von Abfallen aufzubewahren und zu sammeln, nachzukommen, als in Unkenntnis der bestehenden Verhältnisse sie mitleidig zu beicheln. Ebenso verhält es sich mit den Ersatzstoffen und ihrer Sammlung. Ich erwähne nur die Brennnesseln. Unsre .Schulkinder haben dies Jahr 75 Pfund getrocknete BrennnesseIstengel abgeliefert. Diese geben genug Faser für 9—10 Soldatenhemden. Spielend konnte noch doppelt soviel gesammelt werden! Und wenn das dann überall geschähe im ganzen Lande, wieviel wäre nur auf diese eine Weise schon gewonnen, um den Schwierigkeiten der Bekleidungsfrage zu begegnen. — Eines Urlaubes nach der Heimat konnten sich Herm. Gundermann, Otto Stiebritz, Alfred Focke, Emil Sachse erfreuen. Alfred Rath wurde wieder eingezogen, Ernst Baumann beglückwünschen wir zum Eisernen Kreuz. Von· unsern Lieben aus dem Felde haben viele geschrieben, daß sie nun mehr das Weihnachtspaket erhalten haben, und sie haben mit ihrem Dank die besten Wünsche fürs neue Jahr und die Gemeinde verbunden. Wollte Gott, daß diese Wünsche ihre Erfüllung fänden! Aber nicht, wie sich die russischen Friedensprediger denken und auch bei uns im Lande erhoffen: in einem Frieden, der aus Revolution und blutigem Bürgerkrieg hervorgeht, sondern in einem Frieden, den unsre Waffen wie im Osten so auch im Westen durch den Sieg erringen! 

Reuße.

 

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