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Heimatglocken - Markvippach 1917-10

veröffentlicht um 17.05.2012, 22:12 von Udo Key   [ aktualisiert: 30.05.2012, 04:23 ]
Liebe Markvippacher draußen und daheim. Wir stehen im 400. Jubeljahre der Reformation und am 31. Oktober 
wollen wir in festlichem Gottesdienste ihrer gedenken. Gar erhebend ist zu lesen, wie frühere Jahrhundertfeiern verlaufen
sind. Heller Jubel herrschte da jedes Mal in den deutsch-evangelischen Landen. An 3 Tagen hintereinander wurde in den
Kirchen Luthers Werk gefeiert und in seinen Segnungen dem gläubigen Volke dargestellt. Festzüge zum Gotteshaus,
reiche Gaben für die Liebesarbeit der Kirche, Stiftungen zur würdigen Ausstattung der Gotteshäuser legten Zeugnis
davon ab, daß das Volk seines evangelischen Glaubens froh war und dessen Pflanzstätten lieb hatte und wert hielt. Am
Reformationsjubelfest 1917 wird Manches nicht möglich sein, was sonst geschah. Zu sehr lastet die Not der Zeit und die
Sorge des großen Krieges auf den Gemütern. Aber, liebe evangelische Glaubensgenossen, deshalb brauchen wir nicht
undankbar zu sein. Denkt daran, was unsre Kirche, was unser Glaube, was Gottes Wort uns war, sonst schon, aber
besonders damals, als die große Not über uns kam. Und lasst uns zeigen, daß der evangelische Glaube, das Geschenk
der Reformation, auch uns noch ein hohes Gut ist, und daß wir wissen, was wir an unsrer evangelischen Kirche haben.
Aber so viele lassen das jetzt leider vermissen! Sie haben den Weg zum Gotteshaus wieder verloren, sie haben die
Treue zur Kirche wieder verlernt, und manches Haus sendet nur noch in weiten Zwischenräumen eines der Seinen aus,
dem Rufe unsres Glöckleins zu folgen. Ja selbst von denen, die draußen in Not und Tod ihres Herrgottes Hilfe erfahren,
weilt mancher auf Urlaub daheim, ohne die Kirche der Heimat einmal aufzusuchen, in der sonntäglich doch auch seiner
im Gebet nun schon seit Jahr und Tag gedacht wird. Das ist gar schmerzlich für uns und traurig, weniger um unsertwillen,
als um der Zukunft der Gemeinde und des Volkes willen, denen wir mit unsrer Predigt des von Luther neu geschenkten
Gotteswortes doch dienen wollen. Durch unsres Glaubens Kraft und Treue bestimmt sich unsres Volkes Geschick. So
meint Goethe, der andre große Deutsche nächst Luther: Nur ein gläubig Volk ist ein aufstrebendes Volk, während ein
Volk, in dem der Unglaube einen wenn auch nur kümmerlichen Sieg davongetragen hat, ein absteigendes Volk ist". Und
auch der dritte der drei größten Söhne unsres Volkes, Bismarck, stellte sich und sein Leben und sein deutsches Volk
ganz auf den Glauben. Daß wir daraus lernen wollten uns selbst und unserm Volk zum Heile, daß wirs vom Jubelfest der
Reformation uns prägen ließen ins Herz hinein: Halte aus, halte aus, Zion halte deine Treu, und laß nimmer lau dich
finden!
Aus der Heimat ist zu berichten, daß am 5. September der Gefreite Walter Hirschfeld, Manfred Hirschfelds ältester Sohn,
und Minna Zeuner, Hermann Zeuners älteste Tochter, kriegsgetraut worden sind. Beerdigt wurde am 19. September
Wilhelm Focke, früher Hofmeister auf hiesigem Gute, 62  Jahre alt, und am 25. Sept. der Landwirt Louis Hirschfeld, 76 Jahre alt. 
Beide hat der Tod von schwerem Leiden erlöst. Sie ruhen in Frieden!
Auf Urlaub weilten daheim Armin Herrmann, Hermann Gundermann, Paul Hirschfeld, Alfred Focke. Rich. Walter ist
Gefreiter geworden und erhielt das Eiserne Kreuz sowie die Weimar-Verdienst-Medaille. Martin Reuße und Hermann
Udhardt erhielten das Eiserne Kreuz. Vizewachtmeister Heinrich Refardt wurde schon vor längerer Zeit zum Leutnant der
Reserve befördert. Mit herzlichen Grüßen O. Reuße.
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