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Heimatglocken - Markvippach 1915-04

veröffentlicht um 25.04.2012, 22:55 von Udo Key   [ aktualisiert 30.05.2012, 04:21 von Udo Key ]

Quelle: Heimatglocken Schloßvippach - Manfred Schiller

Nachdem seit fast 3 Monaten die Totenglocken geschwiegen, haben wir leider den Monat März mit einer Trauerfeier beginnen müssen.. Wie Unteroffizier Wilhelm Dornis 3/94 aus der Gefangenschaft in Russland geschrieben hat, ist Alfred Dittmar, sein Landsmann und Kompagniekamerad, am 19. November durch einen Brustschuß gefallen. An der Richtigkeit der Nachricht ist wohl nicht zu zweifeln, wenn auch ihre amtliche Bestätigung durch das Regiment nicht vorliegt. Mit Trauer und Wehmut hat die Gemeinde des jungen Kriegers gedacht, war er doch ein guter Sohn seiner Eltern, ein fleißiger, braver Mensch, ein lieber Kamerad im Krieger- und Militärverein und Gesangverein, denen er als Mitglied angehörte, und auch im Burschenverein, dessen Vorstand er war. – Schwere Heimsuchung ist noch im Laufe der Kriegszeit über die Familie unsres verehrten Amtsrats Refardt, Bachstedt, gekommen. Dem Tode seines Neffen bei Bertrix am 23. August folgte im Oktober der Heldentod seines Bruders, des Hauptmanns Arnold Refardt bei Courtrai in Belgien, und im Monat März ging sein hochbetagter Vater im 94. Jahre seines Lebens zur ewigen Ruhe. Gott halte seine Hand schützend über ihn und sie Seinen. – Von unsern neuausgehobenen Kriegern ist Karl Klee zu den Wachttruppen nach Ohrdruf gekommen, Albin Stiebritz ist wieder entlassen worden, Willy Hartmann liegt fußkrank im Lazarett in Gera. Von den im Felde Stehenden hat Leopold Giebner Heimaturlaub erhalten, Otto Stiebritz befindet sich infolge Erkrankung im Kriegslazarett Zgierz bei Lodz, Paul Angermann ist wiedergenesen zum Inf.-Regiment 144 gekommen.Am Sonntag Palmarum wurden konfirmiert Artur Roth, Hermann Köttig, Hilde Reuße, Gretchen Reuße, Toska Hermann, Frieda Sachse, Emma Kreuzberg aus Markvippach und Gustav Walther und Paul Bier aus Bachstedt. Die Feier im Gotteshaus wie daheim in Familie und Haus zeigte den Ernst der Zeit. Eine großmütige Spende von Frau Kapitän Kirchhoff in Höhe von 100 Mk. für wohltätige Zwecke ermöglichte es, auch dieses Jahr wieder die Konfirmanden mit Gesangbüchern zu beschenken. Der Geberin auch an dieser Stelle vielen herzlichen Dank! Den 9 Schülern, die die Schule verlassen, stehen 6 gegenüber, die zur Schule kommen: Ruth Reuße, Leni Ziegler, Henriette Kreuzberg, Hedwig Lübing, Otto Oehlwein, Karl Jünger. In dankenswerter Weise hat Frau Magdalene Moritz geb. Gutzeit sich bereit erklärt, auch weiterhin in unsrer Schule Unterricht zu erteilen. – Am 19. März fand wie alle zwei Jahre das Hagenbruchsche Legatfest statt. Von den dazu verfügbaren 55 Mk. erhielten die Kinder Zeichenblocks, Schreibhefte, Federhalter, Bleistifte, Schieferstifte, Gummi, Federkasten und Federn i. W. von 28 Mk.; die Konfirmanden Messer, die Konfirmandinnen Schürzen; außerdem gab es Schokolade zu trinken und 250 Bretzeln, zu denen aus dem Orte das Mehl geschenkt worden war.Die Hoffnungen, mit denen wir den März begrüßt hatten, sind leider nicht in Erfüllung gegangen. Mit Ausnahme von 3 wirklichen Frühlingstagen am 22., 23., 24. März herrschte nasskalte raue Witterung, sodaß an Bestellen kaum gedacht werden konnte, und seit 5 Tagen sind die Fensterscheiben jeden Morgen gefroren, als ob wir mitten im Winter wären. Möchte nun der April uns einen Frühling bringen, wie wir ihn zum Besten der Landwirtschaft und zum Heile unsres Volkes alle erhoffen!                          

Mit herzlichen Grüßen in Heimat und Feld!                     Reuße.

 

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