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Heimatglocken - Markvippach 1914-10

veröffentlicht um 25.11.2013, 05:18 von Udo Key

Quelle: Archiv Heimatglocken Schloßvippach, Manfred Schiller

Getauft wurde am 6. Sept. Ella Paula Fleischhauer, T. des Landw. Otto Friedr. Wilh. F. in Greußen, z.Z. im Kriege, und seiner von hier gebürtigen Ehefrau Olga Klara geb. Giebner. Beerdigt wurde am 1. Aug. im Alter von 75 Jahren Auguste Wilhelmine Spangenberg geb. Weishase, Ehefrau des hies. Landw. Karl Friedrich Spangenberg. Es war ein arbeitsreiches, gesegnetes Leben, das nach langen Monden schweren Leidens seinen Abschluß gefunden. – Am 10. Sept. ward Horst Heinz Albin Fritz Tümmler aus Bachstedt im Alter von einem halben Jahre begraben. Aber größere Lücken als daheim hat der Tod in die Reihen der Unsrigen gerissen, die draußen im Felde stehen. Am 22. August ist der Leutnant Heinz Refardt, der nach dem Tode von Vater und Mutter in Bachstedt eine zweite Heimat gefunden hatte, bei Bertrix in Frankreich den Heldentod gestorben, und in den Kämpfen in Ostpreußen zwischen 9. und 15. Sept. sind Max Mörseburg aus Schwansee, hier seit 2 Jahren im Dienst bei Oskar Kühn, und Fritz Hage, bisher Kraftwagenführer in Bachstedt, fürs Vaterland gefallen. In besonderer Andacht am Schluß des Sonntagsgottesdienstes oder auch, je nachdem die Todesnachrichten kamen, in der Kriegsbetstunde, die nach wie vor alle 14 Tage am Mittwochabend stattfindet, haben wir der Tapferen gedacht, als ob wir an ihren Gräbern stünden, und nach deer Trauerandacht haben die Glocken geläutet wie sonst, wenn wir vom Grabe kommen. Überhaupt ist der Krieg, das große Völkerringen, das in Alles hineinklingt, in jede Stunde, die wir jetzt leben. Die Predigt am Sonntag, sie kann nicht an dem vorübergehen, das Allen auf der Seele liegt. Alle Arbeit in der jetzt noch wenig vorhandenen freien Zeit besteht im Stricken von Strümpfen, Handmüffchen, Kniewärmern und Kopfschützern. Der Frauenverein ist unter großer Beteiligung der weiblichen Jugend alle 14 Tage zusammengewesen zur Beratung über das, was von weiblicher Hand zur Linderung der Kriegsnot getan werden kann. In der letzten Versammlung sind für jeden unsrer Markvippacher Soldaten 2 kleine Feldpostpaketchen gepackt worden, 68 Stück, mit Strümpfen, Fußlappen, Handmüffchen, Briefpapier, Bleistiften, Klammernadeln, Zigarren und Schokolade. Zirka 15 Zentner Liebesgaben, bestehend in Brot, Eiern, Speck, Wurst, Obst, Gemüse sind im Orte gesammelt und nach Weimar gesandt worden, dutzende von Hemden sind für den Hauptfrauenverein genäht, andere geschenkt worden. Dicke Westen und Unterhosen sollen in Kürze für alle von uns ausgegangenen Soldaten beschafft werden. Am 2. September nach der Feier am Feuer und am Erntedankfest haben vaterländische Gemeindeabende stattgefunden, die die ganze Gemeinde versammelt sahen. Da haben wir die alten schönen Vaterlandslieder gesungen, haben uns erzählen lassen vom Kriegsgang im Westen und Osten, auf dem Lande und zur See, von deutscher Treue und welcher Tücke und unsrer Hoffnung auf endgültigen Sieg. Die Sammlungen für Kriegsliebestätigkeit haben einen schönen Fortgang genommen und die Höhe von 1157,81 Mk. erreicht, die durch zwei Haussammlungen (823,35 Mk.), vier Beckenkollekten (113,71 Mk.) und eine Sammlung der Frauen zur Beschaffung von Wolle und warmen Kleidungsstücken (220,75 Mk.), zusammengekommen sind. Kriegskarten und Kriegsbriefe sind in großer Zahl hereingekommen. Sie atmen alle einen guten Geist, so wie der Brief, den ich eben lese, sagt: „Liebe Frau, Du machst Dir Sorge? Das geht doch nicht anders, denn wir wollen doch unser Vaterland erhalten; es geht alles seinen Gang, wie es vom lieben Gott beschieden ist.“ Gewiß! Und dabei mags bleiben! Gott behüte Euch, Ihr Lieben in der Ferne. Mit der ganzen Gemeinde grüßt Euch herzlichst              

Euer Pfarrer Reuße.

 

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