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Heimatglocken - Markvippach 1915-02

veröffentlicht um 20.03.2014, 03:02 von Udo Key

Quelle: Archiv Manfred Schiller Schloßvippach

Kirchlicher Neujahrsbericht. Im Jahre 1914 wurden 7 Kinder geboren, 4 in Bachstedt, 3 in Markvippach, und zwar 4 Knaben, 3 Mädchen. - Getauft wurden 7 Kinder, 5 Kn., 2 M., darunter 3 aus Bachstedt. – Konfirmiert wurden 10 Kinder, 4 Kn., 6 M. – Aufgeboten und getraut 1 Paar, das auswärts seinen Wohnsitz nahm. – Gestorben und kirchlich beerdigt 5 Personen, 5 Mon., 75 J., 78 3/4 J., 82 1/2 J. alt, von auswärts eine Ehefrau von 30 3/4 J. – Zum Tisch des Herrn gingen 288, 123 männl., 165 weibl. Geschlechts, das sind ca. 120 % der Erwachsenen, 60 Personen mehr als 1913. – Der Klingelbeutel hatte eine Einnahme von 105,93 M., d.s. 20,32 M. mehr als 1913. – Die Kollekten, Haus- und Beckenkollekten, ergaben 305,46 M., wovon die Ä. Mission 16,50 M., die I. Mission 20,33 M., der G.A.-Verein 41,50 M., Landkollekte 12,40 M., kirchl. Armenpflege 9,60 M., Kirchbaufonds 19,45 M., Rotes Kreuz und unsre Krieger 185,68 M. erhielten. – Kirchenbesucher. Ihre Zahl ist von 3500 auf 4700 gestiegen. Die Heimatglocken hatten im vergangenen Jahr im Orte 63 Leser, auswärts 60, darunter 5 im Auslande. Die Einnahme betrug 163,35 M., die Ausgabe 125,40 M. Seit Kriegsbeginn wurden die Heimatglocken noch in ca. 30 Ex. ins Feld gesandt. Fürs Jahr 1915 zahlten 60 Bezieher im Orte 49,70 M., 61 auswärtige Leser 112,35 M. Der Frauenverein schaut auf das erste Jahr seines Bestehens zurück; er zählt 49 Mitglieder und hatte eine Jahreseinnahme von 124,20 M. Am 24. Jan. fand die erste Vereinsversammlung im neuen Jahr statt, in der eine Liebesgabensendung an unsre Soldaten beschlossen und über Mitarbeit bei der Reichswollwoche geredet wurde. – Die Reichswollwoche hatte einen recht guten Erfolg, so daß ein vollbeladener Wagen zur Bahn fahren konnte.Unsre Krieger. Nun sind es ihrer schon 38 geworden, die um des Weltkriegs willen Königs Rock angezogen haben. Von ihnen sind 23 gleich zu Beginn des Krieges ins Feld gerückt, 8 weitere folgten als Landsturmleute, Kriegsfreiwillige und Ersatzreservisten nach.. Inzwischen sind auch die Rekruten des Jahrgangs 1914 zur Front gekommen. Otto Dornis liegt schon seit Wochen im Schützengraben bei Rawa, Max Walther, der uns die ersten Kriegsmonate Brot und Kuchen gebacken, hat am 16./17. Jan. in Polen die Feuertaufe erhalten, Fritz Dittmar rückt in diesen Tagen aus, Karl Klee und Karl Sölter werden wohl bald folgen. Als letzter ist jüngst Willi Hartmann als Ersatzreservist eingezogen worden. Richard Walter hat von seinem ihm gewiß lieb gewordenen Etappenplatz Dun scheiden müssen und ist kurze Zeit danach verwundet worden, so daß ein Glied des rechten Zeigefingers abgenommen werden musste. Er befindet sich in Karlsruhe im Lazarett.Paul Angermann liegt rheumatismuskrank in Heidelberg im Lazarett. Emil Baumann war an Influenza erkrankt, ist aber auf dem Wege der Besserung. Von Wilh. Dornis ist endlich Nachricht gekommen, er ist am 19. Nov. Verwundet in russische Gefangenschaft geraten und nach Kuosk in Südrußland gekommen. Von Alfred Dittmar liegt noch keine sichere Kunde vor. Alles spricht auch heute noch dafür, dass er gleichfalls verwundet in russischer Gefangenschaft ist. Und wir hoffen es alle von ganzem Herzen. Kriegsfürsorge. Eine reiche Liebesgabensendung ist heute nach Weimar zum Besten der verwundeten deutschen Soldaten gesandt worden. Gott segne die Geber und Gaben.                                                        Mit herzlichen Grüßen ins Feld und in die Heimat!    

Pfarrer Reuße.
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